Was bedeutet der Begriff "Naturpapier"?

Naturpapier klingt zunächst nach einem Papier in Braun, Beige oder einem anderen natürlichen Farbton. Viele verbinden damit Recyclingpapier, Kraftpapier oder ein besonders umweltfreundliches Material. Fachlich bezeichnet der Begriff jedoch etwas anderes.
Naturpapier ist in erster Linie ungestrichenes Papier. Seine Oberfläche wurde nicht mit einer zusätzlichen Streichmasse beschichtet. Dadurch unterscheidet es sich von gestrichenen Papieren, wie sie beispielsweise für Hochglanzbroschüren, Magazine oder bestimmte Werbedrucke verwendet werden.
Doch was bedeutet das konkret? Und warum verstehen Kunden unter Naturpapier häufig etwas anderes als Papierhersteller oder Druckereien?
Was ist Naturpapier?
Naturpapier ist Papier mit einer ungestrichenen Oberfläche. Nach der Papierherstellung wird keine zusätzliche Schicht aus Pigmenten und Bindemitteln aufgetragen, um die Oberfläche stärker zu glätten oder zu schließen.
Dadurch bleibt die ursprüngliche Papierstruktur stärker erhalten. Je nach Sorte kann Naturpapier:
glatt oder rau sein,
weiß, cremefarben, braun oder farbig sein,
aus Frischfasern oder Recyclingfasern bestehen,
eine feine oder deutlich sichtbare Faserstruktur besitzen,
dünn und leicht oder fest und kartonartig sein.
Der Begriff beschreibt somit vor allem die Oberflächenbehandlung des Papiers. Er sagt zunächst nichts darüber aus, welche Farbe das Papier hat oder aus welchen Fasern es hergestellt wurde.
Warum es nicht automatisch braun ist
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Naturpapier häufig mit braunem oder beigefarbenem Papier verbunden. Das ist nachvollziehbar, denn viele als natürlich wahrgenommene Papiere besitzen gedeckte Farbtöne und eine matte Oberfläche.
Fachlich kann Naturpapier jedoch ebenso weiß, grau, schwarz oder farbig sein. Auch ein glattes weißes Briefpapier kann Naturpapier sein, sofern seine Oberfläche ungestrichen ist.
Die Farbe ist daher kein zuverlässiges Merkmal. Entscheidend ist, ob das Papier gestrichen oder ungestrichen wurde.
Ist es immer Recyclingpapier?
Naturpapier und Recyclingpapier sind keine gleichbedeutenden Begriffe.
Recyclingpapier wird ganz oder teilweise aus wiederverwerteten Papierfasern hergestellt. Naturpapier kann dagegen sowohl Recyclingfasern als auch Frischfasern enthalten.
Daraus ergeben sich vier mögliche Kombinationen:
ungestrichenes Papier aus Frischfasern,
ungestrichenes Recyclingpapier,
gestrichenes Papier mit Recyclingfaseranteil,
gestrichenes Papier aus Frischfasern.
Ein Papier kann also gleichzeitig Naturpapier und Recyclingpapier sein. Es kann aber ebenso nur eine dieser beiden Eigenschaften besitzen.
Wer gezielt nach Recyclingpapier sucht, sollte deshalb auf Angaben wie „aus Recyclingpapier“, „aus Altpapier hergestellt“ oder einen konkret genannten Recyclingfaseranteil achten.
Ist es besonders umweltfreundlich?
Auch diese Annahme liegt nahe, lässt sich aber nicht pauschal bestätigen.
Die Bezeichnung Naturpapier ist kein Umweltzeichen und keine geschützte ökologische Kennzeichnung. Sie beschreibt nicht automatisch:
die Herkunft der verwendeten Holzfasern,
den Anteil an Recyclingmaterial,
den Energie- oder Wasserverbrauch bei der Herstellung,
die eingesetzten Farbstoffe und Hilfsmittel,
die Transportwege,
die Recyclingfähigkeit des fertigen Produkts.
Für eine ökologische Bewertung müssen daher weitere Produkteigenschaften berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise der Recyclingfaseranteil, anerkannte Zertifizierungen, die Materialzusammensetzung und die Frage, ob zusätzliche Beschichtungen oder Verbundstoffe verwendet wurden.
Eine matte, braune oder faserige Oberfläche wirkt zwar häufig natürlich, ist allein aber kein Nachweis für eine bestimmte Umweltleistung.
Welche Eigenschaften besitzt Naturpapier?
Da Naturpapiere nicht gestrichen sind, bleibt ihre Oberfläche meist offener und saugfähiger als bei gestrichenen Papieren. Dies beeinflusst sowohl die Haptik als auch die Verarbeitung.
Typische Eigenschaften sind:
Matte Oberfläche
Naturpapier reflektiert das Licht in der Regel weniger stark. Texte lassen sich dadurch häufig angenehm lesen, weil keine glänzende Beschichtung stört.
Spürbare Papierstruktur
Je nach Herstellung kann sich die Oberfläche weich, rau, körnig oder leicht faserig anfühlen. Diese Haptik wird häufig für Verpackungen, Karten und hochwertige Drucksachen genutzt.
Gute Beschreibbarkeit
Viele Naturpapiere lassen sich gut mit Bleistift, Kugelschreiber oder Filzstift beschriften. Wie gut dies funktioniert, hängt allerdings von der konkreten Oberfläche und Papierqualität ab.
Höhere Saugfähigkeit
Druckfarbe kann stärker in das Papier einziehen. Farben wirken dadurch häufig etwas matter und weniger kräftig als auf gestrichenem Papier.
Unterschiedliche Druckwirkung
Fotos und intensive Farbflächen erscheinen auf Naturpapier meist zurückhaltender. Für Texte, Illustrationen, einfache Grafiken und eine handwerkliche Gestaltung kann dieser Effekt bewusst eingesetzt werden.
Naturpapier, Kraftpapier und Recyclingpapier im Vergleich
Die Begriffe werden im Alltag häufig miteinander vermischt. Sie beschreiben jedoch unterschiedliche Eigenschaften.
Naturpapier
Naturpapier ist ungestrichenes Papier. Es kann aus Frischfasern oder Recyclingfasern bestehen und unterschiedliche Farben besitzen.
Kraftpapier
Kraftpapier wird aus besonders festen Zellstofffasern hergestellt und zeichnet sich häufig durch eine hohe Reißfestigkeit aus. Es ist meist braun oder naturfarben erhältlich, kann aber auch gebleicht oder eingefärbt werden.
Kraftpapier ist häufig ungestrichen und damit gleichzeitig ein Naturpapier. Trotzdem sind die Begriffe nicht identisch.
Recyclingpapier
Recyclingpapier besteht ganz oder teilweise aus wiederverwerteten Papierfasern. Es kann glatt oder rau, weiß oder farbig sowie gestrichen oder ungestrichen sein.
Recyclingpapier beschreibt somit die Herkunft der Fasern, Naturpapier dagegen die Art der Oberfläche.
Wofür wird es verwendet?
Naturpapier wird in vielen Bereichen eingesetzt. Dazu gehören:
Briefpapier und Schreibpapier,
Grußkarten und Einladungskarten,
Visitenkarten,
Umschläge und Versandtaschen,
Geschenkpapiere,
Faltschachteln und Produktverpackungen,
Etiketten und Anhänger,
Notizbücher,
Zeichen- und Bastelpapiere,
Broschüren, Bücher und Kataloge.
Besonders gefragt ist Naturpapier dort, wo eine matte Oberfläche, eine erkennbare Papierstruktur oder eine gute Beschreibbarkeit gewünscht wird.
Bei Verpackungen kann die ungestrichene Oberfläche zudem eine sachliche, handwerkliche oder zurückhaltende Wirkung unterstützen.
Was verstehen Kunden unter Naturpapier?
Während der Fachbegriff vergleichsweise eindeutig ist, wird Naturpapier von Kunden oft breiter verstanden.
Häufig werden damit folgende Merkmale verbunden:
Braun-, Beige- oder Cremetöne,
matte und nicht glänzende Oberflächen,
sichtbare Fasern,
eine leicht raue Haptik,
Kraftpapier oder Recyclingpapier,
eine reduzierte und natürliche Gestaltung,
Papier ohne Kunststoffbeschichtung.
Diese Erwartungen sind für die Produktauswahl wichtig. Wird ein weißes, sehr glattes Naturpapier angeboten, kann es fachlich korrekt bezeichnet sein, aber dennoch nicht dem entsprechen, was Kunden unter dem Begriff vermuten.
Produktbeschreibungen sollten daher nicht nur den Begriff Naturpapier verwenden, sondern zusätzlich Angaben zu Farbe, Oberfläche, Material und Faserzusammensetzung enthalten.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
Wer Naturpapier kaufen möchte, sollte zunächst klären, welche Eigenschaft tatsächlich benötigt wird.
Wichtige Fragen sind:
Soll das Papier braun, cremefarben oder weiß sein?
Wird eine glatte oder strukturierte Oberfläche gewünscht?
Muss das Papier gut beschreibbar sein?
Soll es aus Recyclingfasern bestehen?
Wird eine bestimmte Festigkeit oder Grammatur benötigt?
Ist das Papier für einen bestimmten Drucker oder ein Druckverfahren geeignet?
Soll es gefaltet, geklebt, gestanzt oder weiterverarbeitet werden?
Wird eine Beschichtung ausdrücklich ausgeschlossen?
Je genauer diese Anforderungen feststehen, desto leichter lässt sich eine geeignete Papiersorte auswählen.
Naturpapier ist ein Fachbegriff mit mehreren Ausprägungen
Unter Naturpapier wird fachlich ungestrichenes Papier verstanden. Der Begriff beschreibt die Oberfläche, nicht automatisch die Farbe, die Faserherkunft oder die Umweltwirkung.
Ein Naturpapier kann weiß oder braun, glatt oder rau sowie aus Frischfasern oder Recyclingfasern hergestellt sein. Im allgemeinen Sprachgebrauch verbinden viele Kunden den Begriff jedoch vor allem mit einer matten Oberfläche, natürlichen Farbtönen und einer sichtbaren Papierstruktur.
Damit es bei der Auswahl nicht zu Missverständnissen kommt, sollten Naturpapiere möglichst genau beschrieben werden. Angaben zu Farbe, Oberfläche, Zusammensetzung, Grammatur und Verwendungszweck sind meist aussagekräftiger als der Begriff allein.
